Vielseitiges Programm rund um Rügen

Am 5. Oktober 2020 um kurz vor sieben versammelte sich der Deutsch-LK der Q2 vor dem Castello, um unter der Aufsicht von Herrn Seng und Frau Schnauber gemeinsam nach Rügen aufzubrechen. Die 11-stündige Fahrt wurde zuerst von einem Fahrerwechsel und später von einem Besuch bei McDonalds unterbrochen, welcher die meisten Schüler und Lehrer aus dem zutiefst bequemen Bus lockte. Nach der langersehnten Ankunft an der Jugendherberge in Prora und dem sich daran anschließenden Abendessen erhielt der gesamte Kurs einen Einblick in die Geschichte Proras durch einen Vortrag von Joanna und Daria über das Kraft-durch-Freude (KdF)-Seebad Rügen.

Denn die Jugendherberge befand sich innerhalb des Kolosses von Prora. Der unvollendete Komplex, an dem zwischen 1936 und 1939 gebaut wurde, sollte 20.000 Menschen erlauben Urlaub machen zu können. Er wurde aufgrund des Beginns des Zweiten Weltkrieges nicht fertiggestellt und die Vorzeichen des Kalten Krieges veranlasste die DDR, den Urlaubsort zur Kasernenanlage umzubauen. Ab 2004 wurden einzelne der noch stehenden Blöcke des Gebäudes zu Hotel- und Wohnanlagen umgestaltet. Dem aufschlussreichen Vortrag folgte ein Spaziergang am Strand, welcher eine Sicht auf die benachbarten Orte bei Dunkelheit preisgab.

Der darauffolgende Tag begann mit einer kurzen Besichtigung der jüngsten Stadt Rügens, Putbus. Finn stellte dabei in einem Vortrag die Besonderheiten von Putbus wie den Circus Putbus, den Schlosspark und die Orangerie vor, sowie später auch von Sellin und Binz. Dabei zeigte Herr Seng besonderes Interesse an Bäumen und kletterte als Erster (und Einziger) in einen hohlen Baum innerhalb des Schlossparks. Darüber hinaus ermutigte er Schüler Bäume zu umarmen und rätselte lange mit Frau Schnauber, welche ideologischen Gründe zu dem Abriss des Schlosses Putbus 1957 geführt haben. Zunächst wurde keine zufriedenstellende Antwort gefunden.

Bei der Ankunft in Sellin meldete sich der Rasende Roland, eine fast 100 Jahre alte, dampfbetriebene Kleinbahn, lautstark zu Wort und präsentierte sich als eine der Besonderheiten des kleinen Ortes. Sellin besitzt die mit 394 Meter längste Seebrücke auf Rügen und beeindruckt mit der Wilhelmstraße und dessen Bäderarchitektur sowie mit der sogenannten Himmelsleiter, einer steilen Treppe, welche die 30 Meter hohe Steilküste mit der Promenade verbindet. Diese Art der Architektur ließ sich ebenfalls am nächsten Stopp in Binz wiederfinden. Dort wurde das Jagdschloss Granitz besucht und die Stadt erkundet, bevor Herr Seng einen Strandspaziergang nach Prora als Rückweg anbot, was niemand außer Frau Schnauber annahm. 

Zurück in der Jugendherberge bereitete die männliche Partie des LKs das Grillen vor, welches sich nach anfänglichen Schwierigkeiten zu einem vollen Erfolg entwickelte - auch ohne die Anleitung der Lehrkräfte, die aufgrund von Orientierungsschwierigkeiten erst spät zu dem gemeinsamen Essen hinzukamen.

Der Mittwoch startete mit der Führung auf dem Schulsegelschiff Gorch Fock I in Stralsund. Sie wurde 1933 bei Blohm & Voss für die Reichsmarine gebaut und nach dem Schriftsteller Gorch Fock benannt. Nach dem Ende des zweiten Weltkrieges segelte es unter sowjetischer Flagge, danach unter ukrainischer, bevor es 2003 wieder an Deutschland übergeben wurde. Lias drauf folgende Stadtführung hob die Ästhetik der Stralsunder Altstadt hervor und präsentierte die Hafenstadt in ihrem gemütlichen und architektonisch-vielseitigem Charakter. Der Besuch des Ozeaneums und die nachfolgende Selbsterkundung der Stadt vollendeten den Aufenthalt auf der anderen Seite der Meerenge der Ostsee.

Die Wanderung von Sassnitz zum Nationalpark-Zentrum Königsstuhl erstreckte sich über den Donnerstagmorgen. Der erste Teil des Weges wurde unter den Klippen auf dem Steinstrand zurückgelegt. Über die Beschaffenheit der Feuersteinfelder und der Geologie Rügens berichtete Justin. Später an den ehemaligen Wissower Klinken stellten Theresa und Lejla Caspar David Friedrich und dessen Gemälde Kreidefelsen auf Rügen vor. Nach Ankunft am Königsstuhl strich Herr Seng unter Zustimmung aller die eigentlich vorgesehene zweite Wanderung und nach der Besichtigung des Zentrums wurde die Fahrt nach Kap Arkona fortgesetzt.

Dort konnten zwei Leuchttürme und ein Bunker besichtigt werden. Herr Seng wurde von der Aussicht des Leuchtturms inspiriert, einen Papierflieger aus der Eintrittskarte zu basteln und diesen fliegen zu lassen. Nach weiteren Erkundungen unter anderem auch des unter Denkmalschutz stehenden Dorfes Vitt kam es zu einer frühen Rückkehr nach Prora, um sich auf das gemeinsame letzte Abendessen in Binz vorzubereiten.

Dem Abendessen folgte leider schlechtes Wetter, da es auf dem Weg vom Restaurant zur Seebrücke Binzs in Strömen zu regnen anfing, der erste Regen der ganzen Woche. Trotz des schlechten Wetters wurde eine Eisdiele in der Nähe der Brücke aufgesucht und der letzte Abend in Rügen gemeinsam beendet.

Rügen wurde am Freitagmorgen mit einem ersten und letzten Badegang in der Ostsee verabschiedet. Nach dem Frühstück und dem Räumen der Zimmer begann die 10-stündige Rückfahrt nach Düsseldorf, welche abermals durch einen Stopp bei McDonalds unterbrochen wurde. Zum Ende der Fahrt kam es zu einem erneuten Fahrerwechsel unter großem Bedauern, da sich unser Rügen-Busfahrer als wahrer Schatz entpuppt hatte.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die LK-Fahrt nach Rügen, trotz der Kälte, durch die den Schülern freistehende Zeit und dem gut zusammengesetzten Programm eine besonders bereichernde Erfahrung war, zuletzt natürlich auch durch die besondere Begleitung von Herr Seng und Frau Schnauber.

Alix Selzner, Q2