Studienfahrt auf hoher See: Mehr als nur ein Erlebnis

In Anbetracht der Studienfahrt des Pädagogik-LKs von Frau Miele-Klitz begaben wir uns gemeinsam, in Begleitung von Herrn Hackländer, als 15-köpfiges Besatzungsteam auf eine Reise, die uns vor lauter Herausforderungen und Hürden stellte.

Nachdem das Gepäck, die Koffer und der zuvor reichlich eingekaufte Proviant in unserem Fortuna-Bus verstaut worden waren, begann für uns das Abenteuer am frühmorgendlichen Montag des 04. Oktobers. Zunächst fuhr uns der Bus in die niederländische Stadt Enkhuizen, in der das Segelschiff „Welvaart“, an dessen Bord wir die nächsten Tage verbringen sollten, auf dem Gewässer des Ijsselmeeres auf uns wartete. Die Lebensmittel wurden in der Küche und im Vorratsraum unseres Segelschiffs verstaut und das Gepäck in den jeweiligen Kajüten untergebracht. Nachdem das Segelschiff um ca. 10:30 Uhr ablegte und die fünftägige Fahrt losgehen konnte, gab es kein Zurück mehr.

Die "Welvaart" peilte jeden Tag ein anderes Ziel an, das jedoch von den Witterungsverhältnissen abhängig und somit oft ungewiss war und spontan festgelegt wurde. Als Gruppe bestand unsere Aufgabe darin, die Fahrt des Segelschiffs trotz Wind und Wetter aufrechtzuerhalten, um auf diese Weise die Häfen zu erreichen und den Motor zu entlasten. Am ersten Tag legte das Schiff nach einer sechsstündigen Fahrt in Harlingen an. Am Dienstag kamen wir abends auf der westfriesischen Insel Teschelling an und am Mittwoch näherten wir uns nachmittags der Nordseeinsel Texel. Nach einer langen und nahezu windlosen Fahrt endete unsere Reise mit der Besichtigung des städtischen Medembliks, von wo aus wir am Freitag aufgrund des nebeligen Wetters erst um etwa 12 Uhr Enkhuizen anvisierten.

Die Ziele waren genauso abwechslungsreich, wie das Wetter, dem wir auf offenem Meer ausgeliefert waren und das vom Sonnenschein und klarem Himmel bis hin zum Regen und Nebel reichte. Auf unserer Reise begegneten wir einigen Robben, genossen den Anblick mehrerer Regenbögen und durften im Bugnetz die Seele baumeln lassen. Das abendliche Erkunden der unterschiedlichen Häfen ermöglichte das Vertreten der noch wackeligen Beine und sorgte zudem für Abwechslung und individuelle Freizeitgestaltung.

Die Mehrheit unseres Pädagogik-LKs hatte bis zu dem Zeitpunkt unserer Abreise keine Erfahrungen bezüglich des Segelns gemacht, weshalb die Kursfahrt eine Vielzahl neuer und unbekannter Eindrücke für uns bereit hielt. Neben den typischen Tätigkeiten und Aufgaben einer Segelbesatzung wurde uns unter anderem die Herausforderung und der Druck bewusst, für eine 15-köpfige Gruppe kochen zu müssen.

Gleichzeitig hatten wir die Möglichkeit, die eigenen Kochkünste zu erweitern und zu verbessern. Die neu erworbenen seglerischen Fähigkeiten sind uns genauso schnell in Fleisch und Blut übergegangen wie das richtige Bedienen der Kaffeemaschine.

Nach intensiven Arbeitsphasen schätzten wir die wohlverdienten Ruhepausen und Auszeiten, in denen wir uns an Deck sonnen, Bücher lesen, Musik hören, Karten spielen, Hörspiele laufen lassen, uns unterhalten oder einfach nur entspannen konnten. Aufgrund der kleinen Kajüten, die jeweils zwei bzw. vier Schüler*innen bewohnten, befanden wir uns durchgehend außerhalb unserer Komfortzone und der begrenzte Raum auf dem Segelschiff sorgte zudem für ein näheres Kennenlernen der Mitschüler*innen.

Die Situation verlangte demnach nicht nur ein hohes Maß an Engagement, Einsatzbereitschaft und Hingabe, sondern ebenso kooperative Eigenschaften und vor allem einen ausgeprägten Teamgeist, denn das Anbieten bzw. Annehmen von Hilfe und Unterstützung dient als Grundlage für eine gelingende Segelfahrt.

Diese Motivation, Zuverlässigkeit und die unterstützende Haltung der Mitschüler*innen beeinflussten das Arbeitsklima, formten die Beziehung der Gemeinschaft und waren letztendlich der Grund einer unvergesslichen und spektakulären Studienfahrt auf der Waddenzee.

Rückblickend versprach das Segelschiff mit seiner Bezeichnung „Welvaart“ ( = "Gute Fahrt") keineswegs zu viel, sondern wurde seinem Namen wahrhaftig gerecht. Denn die wohltuende, herausfordernde und abwechslungsreiche Fahrt wird uns mit Sicherheit für immer in Erinnerung bleiben.

Helen Nowicka und Lara Genser, Q2