Medienerziehung in der Krise – Bericht aus Elternperspektive

Mediennutzung und Umgang mit Smartphone und Co. sind in unserem Haushalt (unser Sohn besucht die 5. Klasse am FCG) nicht erst seit den pandemiebedingten Umständen ein Dauerbrenner und Objekt ständiger Auseinandersetzungen. Einerseits möchten wir als Eltern nicht zu streng sein, andererseits sind wir unsicher und machen uns Sorgen um die gedankliche Vereinnahmung heute noch durch Pokemon und Brawler, morgen aber vielleicht schon durch weniger harmlose Spiele.

Die Einladung zu einem virtuellen Elternabend am 29. Januar zu dem Thema „Medienerziehung in der Krise“ habe ich daher gerne angenommen. Vorgetragen hat Herr Dietrich Riesen von der Fachstelle Mediensucht return.

Interessant an dem Vortrag war sowohl das durch zahlreiche Beispiele angereicherte Hintergrundwissen als auch der anderer Blickwinkel auf das Themenfeld, den Riesen hierbei vermittelt hat.

Während es bei einer anderen Veranstaltung, die vor 2 Jahren in der Grundschule unseres Sohnes angeboten wurde, vorrangig um Mobbing, Nichteignung bestimmter Seiten wie z.B. TikTok für jüngere Kinder oder auch die Dauer der Mediennutzung ging, hat Riesen das Thema vom Suchtaspekt her aufgegriffen.

Ab wann spricht man von Sucht (Klassifizierung gemäß DSM-5) und wie viele der genannten Kriterien müssen über welchen Zeitraum erfüllt sein? Wann befinde ich mich noch im grünen Bereich und wann müsste ich mir Sorgen machen? Welche Grundbedürfnisse haben wir und wie tragen Medien dazu bei, diese zu befriedigen? Welcher Bereich im Gehirn wird gezielt von z.B. Spielen angesprochen und welcher Zusammenhang besteht mit der psychosozialen Reife eines Kindes/Jugendlichen? Wenn ich dieses Grundverständnis habe, kann ich zeitiger Probleme erkennen und ggf. gegensteuern.

Die Aussage, dass das Konfliktpotenzial nicht nur in der ständigen Verfügbarkeit der Geräte, Medien und Inhalte liegt, sondern vor allem in der Definition der Verantwortung für das Gerät, hat für sehr viel Klarheit gesorgt. Wer ist für das Smartphone/die Konsole/das Tablet, etc. verantwortlich: das Kind oder der Erwachsene? Die konkreten Empfehlungen, z.B. dass die Verantwortung bis zu einem Alter von 12 Jahren zu 100% bei den Eltern liegen sollte, waren für mich persönlich sehr hilfreich. Natürlich ist jeder Richtwert abhängig von Alter, Umfeld und Persönlichkeit, bietet aber eben auch einen Anhaltspunkt, wenn ich mir unsicher bin, was noch normal ist oder was auf ein Problem hinweist.

Der Vortrag hat noch einmal verdeutlicht, wie komplex das Thema eigentlich ist. Ich habe an dem Abend einen anderen Blickwinkel auf den Umgang mit Medien erhalten und gehe seitdem deutlich entspannter mit dem Thema um. Aus meiner Sicht eine rundum gelungene Veranstaltung, für die ich mich an dieser Stelle noch einmal ganz herzlich bedanke.

Cordelia Merkel