Eure Kinder sind nicht eure Kinder

Eure Kinder sind nicht eure Kinder.
Sie sind die Söhne und Töchter der Sehnsucht des Lebens nach sich selber.
Sie kommen durch euch, aber nicht von euch,
Und obwohl sie mit euch sind, gehören sie euch doch nicht.
Ihr dürft ihnen eure Liebe geben, aber nicht eure Gedanken,
Denn sie haben ihre eigenen Gedanken.
Ihr dürft ihren Körpern ein Haus geben, aber nicht ihren Seelen,
Denn ihre Seelen wohnen im Haus von morgen, das ihr nicht besuchen könnt, nicht einmal in euren Träumen.
Ihr dürft euch bemühen, wie sie zu sein, aber versucht nicht, sie euch ähnlich zu machen.
Denn das Leben läuft nicht rückwärts, noch verweilt es im Gestern.
Ihr seid die Bogen, von denen eure Kinder als lebende Pfeile ausgeschickt werden.
Der Schütze sieht das Ziel auf dem Pfad der Unendlichkeit,
und Er spannt euch mit Seiner Macht, damit seine Pfeile schnell und weit fliegen.
Lasst euren Bogen von der Hand des Schützen auf Freude gerichtet sein!
Denn so wie Er den Pfeil liebt, der fliegt, so liebt er auch den Bogen, der fest ist.

Dieser Text stammt von Chalil Gibran. Er war ein Philosoph, der 1883 bis 1931 als internationaler Mensch zwischen Libanon, Paris und New York lebte. Es lohnt sich, seinen Gedanken zu folgen und zu erkennen, dass jede Generation nur für sich nach Lebenserfüllung suchen kann, dass Bevormundung der nächsten Generation durch Eltern und Lehrer nicht weiterbringen und dass Liebe jungen Menschen gegenüber konsequent gelebt sein muss, um wirksam zu werden. Und es lohnt sich auch zu überlegen, wen er hier als Schützen beschreibt, wen als Pfeil und wen als Bogen.