CAPA-Gründerin informiert über brasilianisches Bio-Projekt

Im Süden Brasiliens trotzen Kleinbauern der Macht von Agrarkonzernen und Supermarktketten. Sie setzen auf Bio-Landwirtschaft und liefern 30 Prozent der gesunden Lebensmittel direkt an städtische Schulen und Kitas. Für dieses Abkommen hat die von "Brot für Welt" geförderte Organisation CAPA lange gekämpft. Gründungsmitglied Rita Surita war am 1. Dezember am FCG zu Gast.

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Hier informierte sie die SchülerInnen der Einführungsphase über die kleinbäuerliche ökologische Landwirtschaft in Brasilien. Bei ihrem Besuch hat sie schon erfahren, dass "gesunde Ernährung mit regionalen Produkten" auch in Deutschland ein Thema ist.

Bio-Anbau statt Monokulturen

Die Macht der Agrarkonzerne in Brasilien sei groß und Brasilien Weltmeister in der Nutzung von Pestiziden, erzählt sie den 15-jährigen Schülerinnen und Schülern. "Ich habe Agrarwissenschaften studiert und war überzeugt von der Idee, Gemüse anzubauen ohne Umweltgifte", sagt die Brasilianerin. Sie gehört zu den Gründungsmitgliedern von CAPA, die mit Unterstützung der lutherischen Kirche und von "Brot für Welt" das Projekt für Kleinbauern in Südbrasilien aufgebaut hat.

"Viele Kleinbauern suchten Arbeit in der Stadt und landeten dort in den Elendsvierteln", so Rita Surita. Mittel- und arbeitslos müssten sie sich dort von dem ernähren, was sie irgendwie ergattern konnten. CAPA bot den Kleinbauern seit den 70er Jahren wieder eine Perspektive auf dem Land, indem die Organisation sie ermutigte, statt für Großkonzerne Soja oder Tabak anzubauen, in Bio-Obst und Bio-Gemüse zu investieren. Im Vordergrund stand nun die Produktion einer gesunden und breiten Vielfalt an Nahrungsmitteln statt von Monokulturen, die nur mit dem Einsatz von Chemie funktionierten.

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Lebensmittel direkt aus der Nachbarschaft

"Wir organisieren die Bauern in Kooperativen, denn alleine können sie nicht bestehen", erklärt die Agraringenieurin. "Dann beraten wir sie in technischen Fragen wie Saatgut, Düngemittel und organischem Landbau." So hätten sie ein ganzes Netzwerk von Öko-Betrieben aufgebaut. Ob es schwer war das Projekt umzusetzen, fragen die 15-jährigen Jugendlichen.

"Klar gab es Widerstände der Großkonzerne. Aber wir haben gezeigt, dass es möglich ist, unsere Produkte direkt zum Konsumenten zu bringen", berichtet Rita Surita. Seit 2009 müssen in Brasilien 30 Prozent der Lebensmittel für die öffentliche Schulspeisung aus der regionalen kleinbäuerlichen Landwirtschaft stammen. "So erhalten die Kinder schon im Kindergarten einen spielerischen Zugang zum Thema Lebensmittelqualität", sagt Rita Surita. "Das ist auch der Lobbyarbeit von CAPA zu verdanken."

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Botschafterin für eine gesündere Welt

Für die Kleinbauern ist die öffentliche Hand ein sicherer Abnehmer. Inzwischen gehören den von CAPA initiierten Kooperativen 3.000 Familien an. Rund 17.000 Bauernfamilien profitieren von dem Projekt. Sie hätten auch politisch etwas im ganzen Land erreicht, darauf seien sie besonders stolz, betont die Brasilianerin. "Wir haben es geschafft, diese Region in ein Zentrum für die Herstellung gesunder Lebensmittel aus kleinbäuerlicher Landwirtschaft zu verwandeln.” Das sei in Brasilien einzigartig.

Die Agraringeneurin versteht sich als Botschafterin für eine gesündere Welt. Schließlich sind mehr als zwei Milliarden Menschen wegen Mangelernährung anfälliger für Krankheiten und damit weniger leistungsfähig. Kinder sind deswegen in ihrer Entwicklung massiv beeinträchtigt. "Brot für die Welt" hat das CAPA-Projekt unter dem Motto "Satt ist nicht genug – Zukunft braucht gesunde Ernährung" für seine 58. Spendenaktion ausgewählt.

Text und Fotos: Sabine Portmann / Brot für die Welt