2014 Fred Stein

Foto: Ausstellung Fred Stein

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Es gibt Momente, die entscheidend sind – im Leben wie in der Fotografie. Fred Stein war ein Meister darin Momente festzuhalten. Und es waren kurze Momente, die sein Leben bestimmten, persönlich wie beruflich.

1909 in Dresden als Sohn eines Rabbiners geboren, wurde der überzeugte Sozialist nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten gezwungen, seine Position als Jurist aufzugeben und Deutschland zu verlassen. 1933 konnte er unter dem Vorwand einer Hochzeitsreise mit seiner Frau Lilo nach Paris fliehen. Da er seinen Beruf dort nicht ausüben durfte, stand er vor der Herausforderung eine neue Existenz aufbauen zu müssen. Fred und Lilo Stein hatte sich gemeinsam zur Hochzeit eine Kleinbildkamera der Marke Leica geschenkt. Diese gab den entscheidenden Impuls: Die Fotografie wurde seine neue Profession.

In Paris beteiligte sich Fred Stein ab 1935 an mehreren Ausstellungen. Nach Ausbruch des Krieges gelang dem Ehepaar - wie Marc Chagall und anderen Künstlern - die Flucht aus Frankreich. Sie erreichten 1941 mit einem der letzten Schiffe New York. Dort nutzte Fred Stein neben der Leica, eine Mittelformatkamera der Marke Rolleiflex. Die einfache Handhabung dieser Kameras ermöglichte es ihm, durch die Straßen zu flanieren und die Stadt und ihre Menschen in kurzen aber entscheidenden Momenten festzuhalten. Straßenansichten und Porträts standen zeitlebens im Mittelpunkt seines Werkes.

»Du hast nur diesen einen Moment. Wie ein Jäger, der sein Ziel anvisiert, wartest du auf den Augenblick, der aussagekräftiger ist als alle anderen.« (Fred Stein)

In den Städten seiner Emigration fotografierte Fred Stein unzählige Straßenansichten - zuerst in Paris, später in New York - darunter auch Aufnahmen der jüdischen Viertel. Neben klassischen Motiven der beiden Metropolen, entstanden zahlreiche Milieustudien und Charakterbilder. Sein Blick verbindet das Alltägliche mit einem Sinn für den außergewöhnlichen Moment.

Für seine Porträts bemühte sich Fred Stein die Personen, die er porträtierte, vor der Aufnahme kennenzulernen. Er setzte sich mit deren Werken und Denken auseinander. Nicht selten trat das Foto zugunsten hitziger Diskussionen in den Hintergrund. Über 1200 Porträts entstanden auf diese Weise. Sie lesen sich heute wie ein Who’s who prominenter Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts.

Das Jüdische Museum Berlin zeigte 2014 erstmals in Deutschland eine umfassende Ausstellung seines Werkes. Wir freuen uns in Düsseldorf neben den Porträts von Martin Buber und Marc Chagall fünfzehn Aufnahmen aus Paris und New York zeigen zu können.

Weitere Informationen finden Sie unter www.fredstein.com

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